Gestern wars mal wieder so weit, ein weiterer Film der Reihe "Wenn ich die gesehen hab geh ich deprimiert aus dem Kino." Diesmal: Nichts als Gespenster. Aufgrund etwa zwanzigminütiger Verspätung kann ich leider zum Anfang wenig sagen. Vielleicht fehlen mir auch die wichtigen Ansatzpunkte um den höheren Sinn hinter dem ganzen Film zu verstehen. Trotzdem ergaben die einzelnen Fragmente nach und nach Sinn. Der Film präsentierte sich als verschiedene, offensichtlich nicht zusammenhängende Kurzgeschichten, die parallel erzählt wurden. Das heißt konkret, dass von jeder Kurzgeschichte immer ein paar Minuten gezeigt wurden, bis auf die nächste übergesprungen wurde. Wenn ich mich recht entsinne gab es nur an einer einzigen Stelle Überschneidungen. Sonst passten die einzelnen Handlungsstränge nur vom Hauptthema zueinander: Beziehungen.
Felix und Ellen unternehmen einen Trip durch die Vereinigten Staaten von Amerika, einmal Westküste und zurück. Dominierend hier die Wüste, kleine verstaubte Städte mit Hotels in denen es spukt und die Leere zwischen Felix und Ellen. Immer und immer wieder. Lichtblick: Die skurrile Geisterjägerin und der gutherzige Buddy, der bei seiner Beschreibung von Nikesneakers für Dreijährige irgendwie viel mehr Wärme ausstrahlt als die Ellen und Felix im ganzen Film.
Jonas und Irene, seit kurzem beide wieder Singles, reisen gemeinsam nach Island und bewundern die Natur und das Abgeschiedensein, Jonas zumindest. Wieder sind es nicht die Hauptprotagonisten dieser Geschichte die sympathisch erscheinen, sondern die Gastfamilie der beiden, die eine ganz besondere Ruhe ausstrahlt. Am Ende der Welt.
Marion besucht ihre Eltern in Venedig, die dort scheinbar Urlaub machen und haufenweise Souvenirs ergattern. Sehr schön dargestellt die Kommunikationsprobleme zwischen den Generationen und die Unverfrorenheit mit der Mutter und Vater scheinbar immer wieder Marions wunde Punkte treffen durch gut gemeinte Fragen. Geht es irgendwann jedem Kind mit den eigenen Eltern mal so - das man in seperaten Welten lebt?
Ruth besucht ihre Freundin Cario und verliebt sich in deren Freund Raoul. Allzuviel mehr will ich zu diesem in tristen, blassen Farben gehaltenen Abschnitt garnicht sagen, so bedrückend wirkte diese Beziehung auf Zeit und der geheime Betrug.
Christine besucht ihre Freundin Nora auf Jamaika. Vom optischten her der schönste Strang des Films - Sonne, Meer, wunderbare Natur und ein drohender Hurricane. Trotzdem wie immer sehr bedrückend, da Christine mehr oder weniger mit einem Inseleinwohner mit Frau und Kind anbandelt. Nora und ihr Mann/Freund (?) Caspar sind meines Ermessens nach sichtlich erleichtert, als Christine abreist. Der Film lässt einen jeglicher Illusionen bezüglich menschlichen Zusammenlebens beraubt zurück. Für Singles ist das sicher noch erträglicher, weiß man sich doch sicher Abseits der im Film dargestellten Probleme. Es fiel schwer, wenigstens am Ende des Films den Silberstreif am Horizont zu entdecken. Denn es gab ihn nicht?
Nichts als Gespenster ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Judith Hermann. Mit einigen guten deutschen Schauspielern besetzt, die man aus dem einen oder anderen Film schon kennt. Ob man sich die Melancholie des Films antun will, bleibt jedem selbst überlassen. Aber es lohnt sich schon alleine wegen der Filmmusik.